Anne Bishop: Daughter of Blood

Klappentext

Seven hundred years ago, a Black Widow witch saw an ancient prophecy come to life in her web of dreams and visions.

Now the Dark Kingdom readies itself for the arrival of its Queen, a witch who will wield more power than even the High Lord of Hell himself. But she is young, still open to influence – and corruption.

Whoever controls the Queen controls the Darkness. Three men, sworn enemies, know this. And they know the power that hides behind the blue eyes of an innocent girl. And so begins a ruthless game of politics and intrigue, magic and betrayal, in which the weapons are hate and love – and the prize could be terrible beyond imagining…

Autor

Anne Bishop schreibt ihre Fantasyromane in New York. Bisher hat sie zwölf Bücher und einige Kurzgeschichten geschrieben.
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Anfang

Zu Beginn wird die Geschichte aus Sicht dreier Männer erzählt, die aus sehr unterschiedlichen Gründen auf Witch warten: Daemon sucht eine Frau, die er lieben kann, Lucivar eine starke Königin und Saetan langweilt sich in der Hölle zum Untode. Alle drei begegnen einem kleinen Mädchen, in der sie jeweils genau die Gesuchte sehen. Und tatsächlich scheint das schüchterne Mädchen Jaenelle über außergewöhnliche Begabungen zu verfügen, die denen in ihrer Umgebung, die mehr davon verstehen als sie selbst, oft mehr als Respekt einflößen. Saetan, der Höllenfürst, verspricht, sie in der Kunst auszubilden. Er wird zu Lehrer und Vertrauensperson gleichermaßen und hat doch das Gefühl, dass sein Zögling etwas Wesentliches vor ihm verheimlicht. Und wer hätte je etwas vor dem Höllenfürst verheimlicht? Derweil mühen sich Lucivar und Daemon, Jaenelle näher zu kommen.

Die Welt

Die Reihe The Black Jewels spielt in den drei Reichen Tereille, Kaleer und der Hölle, in der Reihenfolge wachsender Dunkelheit. Um die Dunkelheit dreht sich fast alles: Sie ist Religion, Kraftspender und Lebenseinstellung zugleich. Grundsätzlich gilt: Je dunkler, desto mächtiger, gefährlicher und unberechenbarer.

In den Reichen gibt es unterschiedliche Rassen, die sich grob in kurzlebige und langlebige Völker unterteilen lassen; erstere haben mit der unseren vergleichbare Lebensspannen, letztere leben schon einmal ein paar tausend Jahre. Weiterhin trennen sich die Bewohner in Landen und Blutleute. Landen sind normale Menschen, Blutleute hingegen beherrschen die sogenannte Kunst. Diese ist so zentral, dass sie kaum einen anständigen Namen bekommt. Man könnte sie als eine Art Magie bezeichnen. Jeder Angehörige des Blutes hat einen bestimmten Zugriff auf bestimmte Kräfte, die sich an seinem Juwelenrang messen. Es gibt eine Reihe verschiedenfarbiger Juwelen von weiß bis schwarz. Je dunkler das Juwel, desto mehr und desto tödlichere Kraft besitzt jemand. Blutleute erhalten bei der Geburt einen bestimmten Rang und haben zum Ende der Pubertät die Chance, bis zu drei Ränge aufzusteigen. Natürlich bestimmt der Juwelenrang in nicht unwesentlichem Maße den Einfluss einer Person.

Zur Gesellschaftsordnung gehören aber noch zwei weitere Aspekte: Kaste und Status. Blutleute gehören von Geburt einer bestimmten Kaste an; Männer sind unter anderem Krieger oder Kriegerprinzen, Frauen etwa Heilerinnen oder Königinnen. Dabei sind die Aufgaben klar verteilt: Königinnen scharen andere Blutleute in einer Art Hofstaat um sich, Männer dienen. Dabei sind Kriegerprinzen die stärksten, da gewaltbereitesten und aggressivsten Männer und grundsätzlich über einem Krieger oder Prinz gestellt, wenn diese nicht einen allzu viel höheren Juwelenrang haben. Als letztes spielt in das komplexe Rängespiel hinein, ob jemand als Adelsspross geboren ist. Grundsätzlich gilt, dass (auch starke) Blutleute starken Königinnen dienen und diese dafür den Dienenden Respekt und Schutz bieten. Dabei wird relativ skrupellos mit denen umgegangen, zu denen man kein Verhältnis hat. Blutleute gehen ihren Emotionen sehr direkt nach – Mord ist nur dann strafbar, wenn Königinnen die Opfer sind. Ansonsten wird von jedem erwartet, dass er weiß, wen er wie weit reizen kann. Einen hellen Krieger, der einen dunklen Kriegerprinzen oder eine dunkle Königin zu sehr reizt (und zu sehr kann manchmal durchaus “überhaupt” bedeuten), findet man möglicherweise sehr schnell als neues Tapetenmuster wieder.

Verlauf

Der erste Band umfasst im Wesentlichen die Jugend von Jaenelle, während derer sie eine ganze Reihe interessanter Charaktere um sich schart. All denen ist klar, dass sie Jaenelle dienen wollen. Doch bei all ihrer Macht (sie schüttelt mal eben einen kompletten Satz Juwelen aus, zum Üben) ist Jaenelle noch zu sehr Kind, um ermessen zu können, wie sie selbst die Welt verändern wird und verändern muss, um die vor der machtgierigen Dorothea zu schützen, die ihr am Herzen liegen. Eben jene würde natürlich keine Sekunde zögern, die vermeintliche Nebenbuhlerin verschwinden zu lassen. Besonders Saetan und Daemon versuchen also, Jaenelle so gut wie möglich zu beschützen, damit sie unbeschadet erwachsen werden kann. Sie erzählt aber keinem von ihnen, wie es bei ihr zu Hause ist und wo sie steckt, wenn sie mal wieder für Wochen nicht wie verabredet auftaucht. Bald wird offenbar, dass sie damit irgendjemanden vor dem Zorn der Familie Sadi schützen will – jemand tut also etwas mit ihr, was ein Höllenfürst nicht gutheißen würde. Jaenelle gelingt es so lange, ihre Heimat vor ihren Freunden abzuschirmen, bis die Lage eskaliert.

Meinung

The Dark Jewels heißt Humor, Gewalt und Erotik. Allein die rigorose Verschmelzung dieser drei Aspekte macht die Bücher schon lesenswert. Da ist aber noch mehr. Da ist die Gesellschaftsform mit ihrer klaren Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern, die auf der Wahrung von Vertrauen und Respekt basiert und Modell für eine veränderte Wahrnehmung der eigenen Beziehungen sein kann. Da ist eine bewegende Geschichte um Verrat und sowohl berechnende, organisierte als auch gedankenlose Grausamkeit, die nur durch Opfer überwunden werden kann. Da sind Charaktere, die in einer Dimension beschrieben werden, die sie gleichsam vertraut und überirdisch erscheinen lassen. Soll heißen, man fühlt mit den und versteht die Charaktere, merkt aber immer wieder, dass sie anders, gefährlicher sind als der westeuropäische Normmensch. Am exotischsten ist wohl die Person, um die sich alles dreht: Jaenelle. Sie ist nicht einmal wirklich ein Mensch. Ihre Andersartigkeit wird schon allein dadurch vermittelt, dass niemals aus ihrer Perspektive erzählt wird. Das hätte den beschriebenen, aber auch vom Leser gefühlten Mythos wohl auch zerstört.

The Dark Jewels sind Bücher, die begeistern können. Dazu muss man sich wirklich auf sie einlassen, muss die schonunglose körperliche und seelische Gewalt und den tiefschwarzen Humor nicht nur ertragen, sondern sie lesend mitleben. Kinder und Zartbesaitete sollte man daher sicher von ihnen fernhalten. Allen anderen kann ich die mittlerweile sechs Bücher umfassende Gruppe (eine Trilogie, zwei losgelöste Folgebände und ein von den anderen unabhängiger Teil) zumindest im englischsprachigen Original ohne Einschränkung empfehlen.